„Die INDUSTRIE 4.0 zieht den EINKAUF 4.0 nach sich“, sagt PwC.

„Produktionsentscheidungen werden immer schneller an die aktuelle Nachfrage angepasst, daher muss der Einkauf kurzfristig reagieren und Zulieferer werden künftig noch enger in die Beschaffungssysteme einzubinden sein“.
PwC PriceWaterhouseCoopers Studie, EINKAUF 4.0 – Digitalisierung bringt mehr Einfluss für Einkaufsmanager (2014)

 

Die Einkaufsabteilungen haben sich sich im Zuge des „Digitalen Wandels“ vom reinen „Kosten-Reduzierer“ hin zum „Management strategischer Partner und Zulieferer“ zu entwickeln und werden ein zentrales Bindeglied für die erfolgreiche Umsetzung von INDUSTRIE 4.0.

D.h. der Einkäufer ( „Supply Chain Manager“) wird künftig der “Value Chain Manager“ sein und nicht nur die unternehmensinternen Wertschöpfungsaktivitäten, sondern alle Prozesse der Produktentstehung über mehrere Akteure hinweg berücksichtigen um MEHR-Wert bieten zu können.

INFORMATIONSFLUSS 4.0

Grafik: Frei nach SIEMENS

 

Für den EINKAUF ergeben sich somit folgende Handlungsfelder:

  1. Von der SUPPLY CHAIN hin zur VALUE CHAIN:
    Der Einkäufer übernimmt immer mehr die Funktion eines Value Chain Manager mit ganzheitlichem Blick auf die Wertschöpfungskette. So ist die Gestaltung der Lieferantenstruktur über Tier-1 hinaus für den gesamten Unternehmenserfolg und die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend. Komplette Wertschöpfungsketten stehen hier im Wettbewerb.
  2. PREFERRED PARTNER:
    Es geht um die bewusste Differenzierung von den Mitbewerbern im Markt durch Einbeziehung von innovativen Lieferanten und die Verzahnung mit dem Produktentwicklungsprozess. Damit einhergehen Aspekte wie „Exklusivität“ und „Preferred Customer“-Status. Insgesamt gewinnt der Einkauf mit seiner Rolle im Produktentwicklungsprozess an Bedeutung und wächst als Teil der Wertschöpfung immer stärker mit den Entwicklungsabteilungen (R&D) zusammen.
  3. Network ENABLING:
    Mit dem „Digitalen Wandel“ entwickelt sich der Einkauf Dank moderner Technologien zum NETWORKER und nutzt pro-aktiv die Fülle an Daten und Informationen (BIG DATA) die bereits heute schon weit über die Aspekte wie von eCatalog, eRfx und eAuction hinausgehen. Neue Applikationen treiben diese Entwicklung. „ Einkaufen“ wird nicht nur im „Consumer“-Umfeld zum Erlebnis. Standards und User Interfaces sowie Bedienkonzepte aus diesem B2C-Umfeld erreichen nun die Einkäufer in den Unternehmen.
  4. LEADERSHIPMENT:
    Einkaufsorganisationen entwickeln sich hin zu globalen Einkaufsnetzwerken. Chef-Einkäufer führen ihre Teams über Ländergrenzen hinweg.
    Dank moderner Collaborations-Werkzeuge und -Infrastrukturen.

 

Die Herausforderung:

In den meisten Unternehmen fehlen aktuell die Voraussetzungen dafür. Angefangen bei der strategischen Ausrichtung, in der Organisation, vor allem aber in der Gestaltung des Informationsflusses. Bezeichnend für die derzeitige Situation sind oftmals heterogene IT-Systeme, das Nebeneinander von Softwarelösungen, Medienbrüche, mangelhafte Qualität und Konsistenz der Daten.

Eine mögliche Lösung:

  • Der Aufbau unternehmensweit standardisierter Materialdatenführung als Grundstein für die Vernetzung der Einkaufssysteme
  • die Einführung von einheitlichen, standardisierten und effizienten Prozessen
    • von der Bestellung bis zur Bezahlung unter voller Integration der Lieferanten

 

Fazit:

Eine zwingende Anforderung wird sein den Fachbereich EINKAUF mit in den Umsetzungsprozess von INDUSTRIE 4.0 einzubeziehen und sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens stärker zu vernetzten als die meisten anderen Funktionen.
Für den Erfolg des Unternehmens ist es entscheidend diese Vernetzung als Chance zu begreifen. Die Digitalisierung ist dabei zwar ein wesentlicher Treiber, aber sie ist nicht alles.

EINKAUF 4.0 ist somit mehr als nur ein „Schlagwort“es ist vielmehr zentraler Teil der INDUSTRIE 4.0 Strategie im Unternehmen.

Chef-Einkäufer erlangen somit mehr Einfluss auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens und festigen ihre Position neben der Vertriebs- und Entwicklungsleitung .