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Bildquelle: WITTENSTEIN AG

 

In der Schaufensterfabrik „Urbane Produktion der Zukunft“ am Standort Fellbach geht die WITTENSTEIN AG im Bereich Industrie 4.0 mit gutem Beispiel voran: Das Praxisprojekt „Elektronische Plantafel und mobiles Produktionsmanagement“ belegt anschaulich, wie organisatorische Produktionsplanungsprozesse optimiert und Verluste reduziert werden. (Alle Bilder: Wittenstein AG)

Kernfaktoren sind hierbei die Anwendung des Internet der Dinge und Dienste sowie die Einführung mobiler Assistenzsysteme in der Fabrik. Durch die Synchronisation zwischen operativer Auftragsabarbeitung auf Shop-Floor-Ebene und der IT-gestützten Ebene der Produktionsplanung werden Medienbrüche reduziert und Planungszyklen deutlich verkürzt und flexibilisiert.

Die Herausforderung: Planung auf Papier ist unflexibel

Die bis dato papierbasierte Plantafel lieferte Informationen zur operativen Auftragsbearbeitung, die jedoch nicht zwingend mit den Daten der Auftragsplanung im PPS übereinstimmten. Die möglichen Gründe waren vielfältig – beispielsweise wurden Informationen zur Eskalation von Aufträgen, die nicht gefertigt werden konnten, nur mündlich weitergegeben. So funktionierte weder die automatische Sperrung von nicht fertigbaren Aufträgen im PPS, noch der automatische Aufbau einer Eskalationsdokumentation, die eine strukturiert-analytische Beseitigung von Fehlerursachen ermöglicht hätte. Das bedeutete:

  • Informationsdiskrepanz zwischen papierbasierter Auftragsabarbeitung der Produktion und der IT-basierten Ebene der Produktionsplanung (PPS/ERP)
  • Fehlerbehaftete manuelle Synchronisation der Datenstände
  • Organisatorische Verluste durch zeitintensive Klärungs- und Übergabegespräche zwischen Werker, Schichtleiter und Meister
  • Aufwändige Bewertung und Behebung von Eskalationsursachen sowie Verschiebung von Fertigungsprioritäten
  • Verlängerte Maschinenstillstände
  • Neuberechnung der PPS-Auftragsplanung auf einem Informationsstand, der nicht den tatsächlichen Gegebenheiten in der Fertigung entspricht. Das führt oftmals zu Verplanung von Aufträgen, die bereits gefertigt worden sind.
  • Methodische Identifikation von Eskalationsursachen und deren nachhaltige Beseitigung wird nahezu unmöglich

Lösung und Umsetzung: Medienbrüche vermeiden

Das erklärte Ziel bestand darin, die identifizierten Medienbrüche im Bereich der Produktionsplanung und der operativen Auftragsabarbeitung zu schließen und die dadurch hervorgerufenen spezifischen organisatorischen Verluste zu beseitigen. WITTENSTEIN erreichte dies im Wesentlichen durch die Umsetzung der folgenden drei Parameter:

1) Zusammenführung der Informationsgrundlage „Operative Auftragsabarbeitung“ / Auftragsplanung (PPS/ERP) über eine „Elektronische Plantafel“

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2) Ersetzen der mündlichen Weitergabe und lückenhaften Dokumentation von Informationen rund um Eskalationen durch „Mobile Endgeräte“ zur strukturierten Erfassung und zeitgleichen Übermittlung in die Systematik.

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3) Schneller, eineindeutiger Informationszugriff durch einen Auto-ID und damit IT-gestützten Prozess für einen bidirektionalen Datenaustausch PPS/ERP <-> Auftragsabarbeitung/Produktion in Echtzeit.

Mehrwerte: Effizienz und Datenbasis

  • Reduktion von Abstimmungsbedarf zwischen Auftragsplanung und –Abarbeitung. D.h. Zeiteinsparung und Steigerung von Effektivität und Effizienz.
  • Präzisere und vollständigere Erfassung von Problemen und Problemursachen, die zu Fertigungsausfällen führen. D.h. Verbesserte Möglichkeiten für eine methodisch-analytische Behebung der o.g. Ursachen und automatischem Befüllen einer umfassenden und strukturierten Eskalationsdatenbasis (Lessons Learned)
  • Eskalationsdatenbasis als Grundlage zur Anwendung von BIG DATA-Analysen um künftig Korrelationen hinsichtlich Material, Werkzeug, Rüstteile, Maschinen und Zulieferer zu bilden (Predictive Analysis / automatisierte Ermittlung maschinen- und materialabhängiger Werkzeug- und Maschinenstandzeiten)


Philipp Guth, Geschäftsführer der WITTENSTEIN bastian GmbH: „Durch die Realisierung der elektronischen Plantafel und des mobilen Produktionsmanagements in unserer Fertigung können wir Produktionsabläufe nahezu in Echtzeit planen und sehr viel flexibler auf veränderte Prioritäten in der Auftragsabarbeitung reagieren …“

Fazit: Show, don’t tell!

Industrie 4.0 muss sichtbare Vorteile auf allen Ebenen des Wertschöpfungsnetzwerks bieten können, um das Potential des deutschen Marktes wirklich auszuschöpfen. Die WITTENSTEIN AG liefert mit dem Ansatz zur Digitalisierung der Plantafel genau das: Eine 360-Grad-Verbesserung aller im Planungsprozess beteiligten Parameter.

Dem Werker, Schichtleiter, Meister sowie Disponenten in der Auftragsplanung ist es nun möglich schnell und termingetreu auf Kundenwünsche und/oder Bedarfsänderungen einzustellen. Widrigkeiten wie Maschinenstillstände oder Materialengpässe führen nicht mehr zu Ausfällen, sondern werden flexibel abgehandelt. Auf das Problem zugeschnittene Informationstechnologie liefert den Entscheidern sinnvolle und praxisnahe Hilfestellung.

In der Fabrik der Zukunft steht der Mensch im Mittelpunkt der Produktion. Er wird vom Bediener zum Bedienten.