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Bildquelle: Fraunhofer IAO

Ein exzellentes Praxisbeispiel wie die Herausforderungen einer „Personalplanung von Sonderschichten“ in der Fabrik aufgelöst werden können.  So aufgenommen bei der Fachveranstaltung „Schaufenster Industrie 4.0 – Forschung trifft Praxis – Projekte Cypros KapaflexCY im Pilotbetrieb“ im September in Fellbach. 

BORG WARNER als einer der größeren Automobilzulieferer in Deutschland beschäftigt am Standort Ludwigsburg mehr als 700 Mitarbeiter im Dreischicht-Betrieb. Gefertigt werden u.a. Glühkerzen für Dieselmotoren.

Im Gemeinschaftsprojekt mit dem FRAUNHOFER IAO entstand ein für BorgWarner bahnbrechendes Konzept: KapaflexCy (Kapazitätsflexibilität in Cyber-Physical-Systems), was am Ende nichts anderes bedeutet als Autonomie in der Schichtbelegung.

Flexibel auf Bedarfserhöhung reagieren

Bei BorgWarner kommt es immer wieder zu Sonderschichten durch kurzfristige Bedarfserhöhung beim Kunden. Die Ursachen dafür sind verschieden: Ein Lieferant fällt aus, fehlerhafte Lieferungen führen zu Engpass-Situationen. Für einen kurzen Zeitraum muss mehr produziert werden, als das im Alltagsbetrieb der Fall ist.

Borg Warner wollte also einen Zustand erreichen, in dem die Kapazität der Fabrik in Echtzeit an die Kundennachfrage angepasst werden konnte.

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Bildquelle: Fraunhofer IAO

Die Ausgangslage war eine altbekannte:

  • Zuwenig Personal war gleichbedeutend mit Verzug und Lieferrückständen.
  • Zuviel Personal führte zu Verlusten.

Die Personal-Einsatzplanung der Schichten erfolgte konservativ papiergebunden. An Maschinen und Arbeitsplätzen wurden Listen mit den Schichtzuteilungen ausgehängt. Eintragungen bzw. Streichungen konnten somit nur durch Anwesende vor Ort erfolgen. Urlaubsstände, Kompetenz oder Qualifikation konnten nicht berücksichtigt werden. Eine gerechte Zuteilung insbesondere für Wochenend- oder Feiertagsschichten war nicht möglich.

Mitarbeiter per App integrieren

Hier setzt das KapaflexCy Projekt des Fraunhofer Instituts an. Ausgangspunkt ist die Echtzeitbedarfsermittlung durch übergeordnete Produktionsplanung. Einfacher formuliert:  Die Anfrage durch den Kunden und die damit verbunden Notwendigkeit einer Sonderschicht setzt den Prozess in Gang.
Alle Disponenten, Meister, Schichtführer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit mobilen Endgeräten ausgestattet und erhalten zeitgleich die Anforderung für den Einsatz. Jetzt entscheiden die involvierten Ressourcen über Verfügbarkeit, Kapazitäten und die Auflösung von möglichen Engpässen in Echtzeit und melden direkt über diese Endgeräte zurück.

 

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Quelle: Fraunhofer IAO Youtube

„Wir versprechen uns, dass mit der Anwendung von KapaflexCy Menschen ihre Arbeitstätigkeit besser organisieren können. Am Ende geht es darum, dass Arbeit mehr Freude und Spaß macht. Denn das ist die Grundlage für Erfolg und gute Arbeit …“ Zitat Prof. Wilhelm Bauer, Institutsleiter FRAUNHOFER IAO.

 

Industrie 4.0 – der Mensch steht im Mittelpunkt

Die Technologien rund um KapaflexCy stehen bereit. Die Umsetzung im Betrieb erfordert Umdenken – erweitert den Planungsprozess jedoch um dringend notwendige Flexibilität. Dank mobiler Lösungen kann der Mitarbeiter sogar in seiner Freischicht von zu Hause aus auf Anfragen reagieren. Das führt zu schnelleren Rückmeldungen über eventuelle Besetzungsengpässe. Damit steigt die Produktivität der Fabrik, gleichzeitig erhöht sich die allgemeine Zufriedenheit – beim Kunden genauso wie bei den Mitarbeitern. 
Der Kunde kann sich auf  BorgWarner verlassen und wird auch künftig für den Absatz der Glühkerzen sorgen.  Die Mitarbeiter erleben eine neue Form von Mitbestimmung am Arbeitsplatz und werden sich auch künftig hochmotiviert für gute Produktqualität einsetzen.

Dieses Beispiel lässt sich leicht auf andere personalintensive Branchen übertragen. Spitzenzeiten mit hohem Personalbedarf an Flughäfen können mit dieser Technik leichter bewältigt werden. Oder schauen wir auf die Pflegedienstleistung an den Krankenhäusern – hier werden künftig mobile Applikationen helfen, schneller auf Bedarfsschwankungen zu reagieren und Schichtarbeit menschlicher zu gestalten.

Verbleiben wir in diesem Sinne mit dem schönen Satz von Dr. Manfred Wittenstein: „Der Mensch steht im Mittelpunkt von INDUSTRIE 4.0 – nehmen wir ihn also mit und binden ihn ein!“